Gleichwürdigkeit

Meine Philosophie in der Kindererziehung ist stark an das von Jesper Juul (www.familylab.de) geprägte Prinzip der „Gleichwürdig­keit“ angelehnt.

Gleichwürdigkeit bedeutet in Kindern sozial kompetente, menschliche Wesen zu sehen und nicht „defizitäre Erwachsene“. Es fehlt ihnen noch viel Erfahrung und sie müssen (und wollen) viel lernen. Aber sie haben Gefühle, Würde und Integrität genau wie ein Erwachsener. Und diese gilt es unter allen Umständen zu respektieren und zu schützen.

Das bedeutet nicht, dass die Tagesgruppe ein „demokratisches System“ ist, in dem jeder – auch die Kinder – das gleiche Stimmrecht besitzen. Ich kann und will nicht mit zweijährigen Kindern darüber diskutieren, ob es vor dem Essen noch die dritte Kugel Eiscreme bekommen können. Bei fünf Kindern und nur mir als Erwachsenem wäre die Entscheidung in einem demokratischen System wohl klar – kein Gemüse heute. Kinder in diesem Alter wissen immer, auf was sie gerade Lust haben.  Was wirklich gut für sie ist, können sie aber nicht beurteilen. Das können nur Erwachsene, die bereit sind, die Verantwortung für sie zu übernehmen.

Dazu gehört es auch, den Frust und die Wut der Kinder auszuhalten, die sie empfinden werden, wenn die Kugel Eis – und sei es noch so liebevoll – verweigert wird.

Die Gefühle von Kindern sind echt und richtig. Wenn ein Kind frustriert ist, weil es eben kein weiteres Eis bekommt, dann ist das richtig und normal. Auch wir Erwachsenen sind schließlich frustriert, wenn wir nicht das bekommen, was wir uns wünschen.

Im Gegensatz zu Kindern, die gerade erst dabei sind es zu lernen, haben die meisten von uns schon gelernt, dass es zum Leben gehört, nicht immer alles zu bekommen, was man sich wünscht. Auch nicht, wenn sie sich auf den Boden werfen und brüllen – oder dem Gegenüber eins auf die Nase geben und vors Schienenbein treten. (Ich sagte, die meisten Erwachsenen  haben das gelernt. Wie man an diesem Beispiel aber sieht, aber durchaus nicht alle.)

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